Reise blog von Travellerspoint

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raus aus dem Sumpf

8500km = Halbzeit

sunny 25 °C
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Ein Kommentar zum letzten Blog bezeichnete das Ende als Cliffhanger, ich sage mal es war eher ein Roofsitter.

Ich sitze also auf dem Dach meines gefluteten Autos, schaue zum Horizont , sehe, die Sonne untergehen. Ich gebe die Hoffnung auf heute noch hier wieder raus zu kommen. Es ist ja nicht so, dass man hier mal eben den ADAC ruft ,wenn man eine Panne hat. Dann uebernachte ich eben heute nicht im Schlammloch sondern im Fluss. Ich baue mein Dachzelt auf und packe die wenigen Sachen die ich retten konnte hinein. Ist zwar nur einen halben Meter ueber der Wasserlinie, aber da oben werden mich die Hippos hoffentlich in Ruhe lassen.

Zum Schlafen ist es noch zu frueh. Ich mache mir ein weiteres Bier auf, fahren muss ich ja heute nicht mehr. Da kommt ein Einheimischer den Weg zur Furt entlang. Ich wate ihm entgegen. Scheinbar hat er so etwas schon oefter gesehen, denn er scheint kein bisschen ueberrascht. Ich erfahre, dass man diese Furt zur Zeit nicht passieren kann. Die Furt, die die Deutschen genommen haben, liegt nur ein paar hundert Meter weiter. 2km entfernt liegt sein Dorf und wenn ich mitkomme finden wir vielleicht jemanden der mich heute Nacht noch da rauszieht.

Mittlerweile ist es schon fast dunkel und ich frage ihn wie es mit Loewen aussieht. Sonnenuntergag ist Fuehstueckszeit fuer Loewen. Ja, die gibt es, aber das sei kein Problem. Die Krokodile in der Furt seien viel gefaehrlicher. Na gut, dann gehen wir mal. Nach 2km kommt uns ein Toyota Landcruiser entgegen. Dithi, so heisst der Fahrer, ist sofort bereit mir zu helfen. Er zieht das Biest erst mal aus dem Wasser.

Es ist ein schauerlicher Anblick zu sehen, wie nun das Wasser aus allen Ritzen wieder entweicht. Am Ende war ich nur 3 Stunden im Fluss, aber wie sich bald heraus stellt, koennte der Schaden groesser kaum sein. Er schleppt mich bis zu der Safari Lodge, wo er arbeitet. Dort kann ich mein Zelt im Trockenen aufbauen. Er ruft seinen Chef in Maun an und ich bekomme Gelegenheit ihm meine Lage zu schildern. In dieser Nacht kann niemand mehr etwas fuer mich tun, aber er verspricht Morgen schickt er Mechaniker aus der Stadt, die mein Auto garantiert wieder flott kriegen.

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Tatsachlich kommen am naechsten Tag 2 Mechaniker. Die wissen genau was in solchen Faellen zu tun ist. Zuerst lassen sie das Motoroel ab. Da kommen erst mal 5l Wasser. Dann Zuendkerzen raus, Einen Schluck Bremsfluessigkeit in jeden Zylinder und anlassen. Dabei spritzt ein weiterer Liter Wasser aus dem Motor. Eine halbe Stunde spater brummt der Motor meines Hilux wieder als ob nichts gewesen ware. Die Fotos habe ich mit meiner kleinen Kamera gemacht, beide Spiegelreflex sind nass und ich habe die Akkus raus. Bevor ich probieren kann ob die noch gehen, muss ich sie erst mal trocken kriegen.

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Wir fahren zurueck nach Maun, da wo ich gestern her gekommen bin. Ich bin vollig am Ende und Ike, Dithi's Chef, der ebenfalls mitgekommen ist, faehrt. Ich kann mich als Beifahrer entspannen. Mein Ego wird etwas gestreichelt als Ike, der Profi in diesen Bedingungen, in der anderen Flussdurchfahrt ebenfalls stecken bleibt. Mit viel Glueck und Hilfe durch das Begleitfahrzeug mit den Mechanikern kommen wir da wieder raus.

Der Rest der Fahrt zurueck nach Maun verlaeuft problemlos. Ich checke wieder im Sedia Riverside Hotel ein. Zuvor braucht das Biest aber eine Waesche. Davon dass das Auto mal weiss war, ist nichts mehr zu sehen. Waehrend ich auf mein Auto warte komme ich mit 2 Einheimischen ins Gespraech. Die warten ebenfalls am Valentinstag auf ein sauberes Auto um ihre Frauen auszufuehren. Spater kommen noch 2 huebsche Maedels dazu und es wird recht lustig. Eine will mir unbedingt ihre Handnummer geben. Ich erklaere ihr,dass ich zwar ein Handy aber keine SIM-Karte fuer Botswana habe. Da bietet mir einer der Herren seine SIM-Karte an. Kann ich ja schlecht nein sagen. Es werden die Nummern ausgetauscht. Anrufen werde ich da sicher nicht, ich habe momentan andere Probleme zu loesen und brauche keine zusaetzlichen.

Mein Wagen faehrt zwar wieder, aber es ist noch viel zu tun. Deswegen fahre ich am nachsten Morgen wieder zu meinem Mechanikergenie. Er baut den Vergaser aus und zerlegt ihn in 100 Teile. Dann deutet er auf ein erbsengrosses Teil - eine Duese und meint dass sei nicht Original und gehoehrt da nicht rein. Das erklart den unverschamt hohen Spritverbrauch. Wir besorgen das Originalteil und er setzt den Vergaser wieder zusammen. Das Biest laeuft danach besser als je zuvor.

Ich brauche etwas Zeit fuer die endgueltige Schadensbilanz. Zwei Tage renne ich durch die Stadt und versuche Spezialisten fuer die Kameras und den Laptop zu finden. Ergebnis: Beide Kameras und Objektive Schrott, Laptop Schrott, Solarpanel Schrott. An elektrischen Gadgets hat nur das Tablet,das Handy und die billigst Kamera aus Bosnien ueberlebt. Das trifft mich schwer. Da habe ich schon 2 Spiegelreflex dabei, fuer den Fall dass eine kaputt geht und dann gehen 2 auf einmal kaputt. Auf dem Laptop waren die Backups aller meine Bilder und Daten. Alles futsch. Klamotten, Lebensmittel, vieles zum wegwerfen. Einiges kann ich saeubern und retten. Jetzt habe ich wirklich viel Platz im Auto. Das riecht innen muffig wie ein Aquarium aus dem man das Wasser abgelassen hat.

Von diesem moralischen Tiefschlag muss ich mich erstmal erholen. Im Hotel treffe ich ein deutsches Paar denen ich meine Wassergeschichte erzaehle. Das ist ja gar nichts, sagen sie. "Wir standen schon einmal 7 Wochen im Schlamm bevor uns die Armee mit schwerem Geraet rausgezogen hat. " 7 Wochen? Unvorstellbar fuer mich, mir langen die 3 Stunden, die ich unter Wasser war.

Tippen auf dem Tablet ist praktisch unmoeglich, jetzt muss ich immer sehen dass mich jemand an seinen Computer laesst wenn ich einen Blogeintrag schreiben will. Umlaute wird es so schnell nicht mehr geben. Dieser Beitrag entstand auf einem hollaendischen Netbook. Das erklaert die vielen Rechtschreibfehler,

Nach 4 Tagen verlasse ich Maun zum 2. Mal. Diesmal auf der Teerstrasse, weit aussen herum um den Sumpf. 600km bis Kasane, an der namibisch-sambischen Grenze. Entlang dieser gut ausgebauten Landstrasse sehe ich mehr Elefanten als in den Nationalparks davor zusammen. Alle paar Kilometer steht ein Bulle am Strassenrand.

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Ok, das zweite Bild ist ein ueberlebensgrosses Erdferkel.

In der Sanyati Lodge halte ich fuer die erste Nacht. Eine Empfehlung meiner deutschen Mitflieger uebers Delta. Ein guter Tipp. Am Wasserloch vor der Bar kommen im Lauf der Nacht etwa 50 Elefanten und ein paar Dutzend Giraffen vorbei. Wir sitzen an Campingstuehlen am Lagerfeuer und beobachten die Tiere nur gut 50m entfernt. Kein Zaun, kein Graben trennt uns. Ein tolles Gefuehl.

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Mt der Billigkamera sind fast alle Fotos zum Wegwerfen. Bleibt nur die Erinnerung im Kopf. Am naechsten Tag mache ich wieder eine Safari mit dem Boot auf dem Chobe River. Ein absolutes Tier-Highlight. Und so bequem! Kein Holpern, kein Schlamm, kein Staub. Gemuetlich an Deck mit einem Drink in der Hand komme ich so unglaublich nahe an badende Elefanten und wie ueblich sehr schlecht gelaunte Hippos.

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Dieses 5m-Krokodil liess sich besonders gut fotografieren - es war tot.

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Das war es dann auch schon mit Botswana. Den Trip in den Moremi Sumpf und mein Bad im Khwai River werde ich sicher nie vergessen. Ansonsten bleiben mir die vielen Esel uf den Strassen un das schlechteste Bier meiner Reise in Erinnerung. St.Luis unbedingt meiden!

Auf dem Tacho habe ich jetzt 8500 km und bin am noerdlichsten Punkt meiner Rundfahrt. Morgen geht es nach Simbabwe. Mal sehen was das an Ueberraschungen bringt.

Eingestellt von Tom Travel 10:26 Archiviert in Botswana Kommentare (0)

Victoria Fälle Teil I

von oben gesehen

sunny 28 °C
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Der Grenzübertritt von Botswana nach Simbabwe verläuft völlig ohne Probleme.

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Mal abgesehen von der Tatsache, dass man mir 100 US$ für das Visum und Straßennutzung abknöpft. Ganz schön teuer für die paar Tage die ich hier verbringen will. Ich habe hier nur die Victoria Fälle auf dem Zettel. Wie Niagara und auch Iguazu teilen sich 2 Länder die Einnahmen aus diesem Naturschauspiel. Ich habe auch hier vor mir das von beiden Seiten anzusehen. Mein Qaurtier beziehe ich in einem sehr gemütlichen und preisgünstigen Hostel in Victoria Falls, auf der Simbabwe-Seite. Abends mit Folklore.

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Das war aber dann auch das Einzige was hier günstig ist. Wer etwas von den Fällen sehen will oder hier etwas unternimmt, sollte den ganz dicken Geldbeutel mitbringen.

Am ersten Abend mache ich eine Dinner-Cruise am oberen Sambesi. Tierbeobachtungen betreffend wer das sein Geld nicht wert. Kein Vergleich mit der Tour am Chobe River in Kasane, Botswana. Wenigstgens waren die Drinks inklusiv.

Von den Fällen habe ich nach 2 Tagen immer noch nichts gesehen. Das will ich mir für einen Überflug im Motordrachen aufheben. Der fliegt nur von der Sambia-Seite aus. Zu Fuß 3km über die Grenze, mit dem Auto hätte mich das 100US$ extra gekostet, so nur 20US$ für das Sambia-Tagesvisum. Ein schöner Spaziergang über die Sambesibrücke mit einer kurzen Teilansicht der Fälle - kostenlos!

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Auf der anderen Seite wartet das Taxi dass mich zu der Graspiste bringt, von der die kleinen Flieger starten. Ich bin etwas überrascht als ich erfahre, dass man keine Kamera auf dem Flug mitnehmen darf und dass die Fotos, die von einer am Drachen befestigten Kamera gemacht werden, 20US$ extra kosten. Bei einem Preis von 180US$ für 12-15 Minuten hätte ich erwartet, dass das inklusiv wäre. Ok, dann lege ich das auch noch drauf, die Fotos will ich unbedingt.

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Der Flug war ein echtes Erlebnis. 100-300m über den Fällen schwebend - klasse.

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Nach der Landung geht ein Mechaniker zur Kamera und verzieht das Gesicht. Was hat das zu bedeuten? Keine Fotos! Der Fernauslöser hat nicht funktioniert, es gibt keine Bilder von mir im Flug über dem Wasserfall. Das darf doch nicht wahr sein. Es folgt ein kurzes Palaver mit dem Management, in dem ich darauf hinweise wie wichtig mir die Fotos wären. Den angebotenen Preisnachlass lehne ich ab. Ich will Fotos. Lösung: Nochmal fliegen. Ich kann mir ein Grinsen nur schwer verkneifen. 2 mal Fliegen zum Preis von einmal. Dem zweiten Piloten sage ich, dass mir der erste Flug etwas zu ruhig war und ob er nicht ein paar engere Kurven fliegen könnte.

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Er ist Schotte aus Oban und ich lobe den Scotch der dortigen Destille. Er erfüllt meinen Wunsch und legt den Drachen ordentlich auf die Seite. So habe ich mir das vorgestellt, deswegen wollte ich keinen Hubschrauberflug.

Eingestellt von Tom Travel 10:45 Archiviert in Sambia Kommentare (2)

Victoria Fälle Teil II

von unten gesehen

sunny 28 °C
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Am Sambesi unterhalb der Fälle werden auf der Simbabwe-Seite Rafting Touren angeboten. Ich sehe im Reisebüro ein Video von einer kombinierten Rafting-Wakeboard-Tour . Das sieht spannend aus, das will ich machen. Die Dame schaut mich groß an. Wo ist das Problem? Der Sambesi hat Hochwasser, die Stromschnellen sind jetzt zu gefährlich fürs Wakeboarden. Der Floßbetrieb mit den großen Schlauchbooten wird voraussichtlich auch in 2-3 Wochen eingestellt und geht erst weiter wenn der Wasserstand wieder niedriger ist. Das akzeptiere ich so erstmal nicht. Ich gehe zu einem anderen Veranstalter. Der bietet es an, aber nur wenn mindestens 3 Leute buchen, sonst rentiert sich das nicht für ihn. Kurz darauf finden sich 2 Koreaner die am nächsten Tag mitmachen wollen. Die haben es sich tags darauf kurzfristig anders überlegt und so kommt es, dass ich ganz alleine mit 7 Einheimischen als Begleitschutz im Schlauchboot zum Startplatz fahre.

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An den ruhigen Stellen fahre ich im Boot mit und der Skipper erklärt mir die nächsten Stromschnellen. "Kategorie 3-4; anfangs in der Mitte halten dann gegen Ende Mitte rechts", so oder so ähnlich lauten seine Anweisungen. Vor Felsen unter Wasser habe ich Respekt. Der Skipper meint beim aktuellen Hochwasser besteht keine Gefahr einen zu treffen. Damit hatte er nicht ganz recht wie sich etwas später heraus stellte.

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Der Schwierigkeitsgrad beginnt bei 3 und die schlimmste Stelle ist eine 5 - mehr geht nicht auf der Skala ohne wirkliche Lebensgefahr. Bei den 3-ern und 4-ern habe ich echt Spaß. Immer wieder überspült von einer Welle, weiß ich dennoch immer wo vorn, hinten, oben, unten ist.

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Ich habe kleine Flossen bekommen damit ich besser steuern kann. Die halten genau bis zur 4. Stromschnelle. Dann sind sie von der Strömung und den Wellen in Fetzen gerissen. Der Skipper fragt ob ich abbrechen will. Nö, ab jetzt schwimme ich halt barfuß.

Bei der 5er-Kategorie hört der Spaß auf. Trotz Schwimmweste und Wakeboard zieht es mich tief unter Wasser.

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Ankämpfen gegen diese Strömung ist absolut zwecklos. Ich kann nur warten bis der Sog nachlässt und ich zurück an die Oberfläche gespült werde. Das passiert erfreulicherweise auch alle paar Sekunden, so dass ich immer ein kurzes Zeitfenster zum Luft holen habe. Wasser schlucken gehört dazu.

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Das Boot meiner Begleiter kentert hier und treibt kopfüber den Fluss hinunter. Einige der Paddler sind unter dem umgestürzten Bott gefangen. Da ich voraus schwimme fische ich ein paar herrenlose Ruder auf und bringe sie ihnen. Ein paar sehen danach ziemlich geschockt aus. Das waren wohl die, die unter dem Boot fest saßen. Durch diese Stromschnellen bin ich mal ganz sicher lieber auf einem Wakeboard als unter einem Boot.

An einer der letzten Passagen komme ich etwas von der geplanten Route ab und schlage mit dem Knöchel gegen einen Felsen unter Wasser. Ziemlich schmerzhaft. Vor allem weil ich am Ende noch in brütender Hitze 500 Stufen nach oben humpeln muss. Das ist immer das Problem beim Rafting. Am Ende steht meist ein ziemlich anstrengender Marsch raus aus der Schlucht auf dem Programm.

Am nächsten Tag mache ich mich auf den langen Weg nach Mosambik. 1000km quer durch Simbabwe. Langweilige Szenerie, man könnte getrost einen Nachtbus nehmen und würde nichts versäumen. Erst das letzte Stück im Grenzgebiet zu Mosambik ist etwas bergiger und interessanter als Kulisse. Aufgelockert wird die Fahrt durch nicht weniger als 16 Polizeikontrollen entlang der Strecke. Meine Papiere und das Auto sind in Ordnung, zumeist bleibe ich unbehelligt und kann passieren. Die Polizei hier ist allerdings berüchtigt dafür abstruse Gründe zu finden um einem eine heftige Strafe abzupressen. Vorgeschobene Gründe wie: barfuß fahren, ohne T-Shirt fahren, Ellbogen auf dem Seitenfenster aufgestützt, Rauchen während der Fahrt, Tragen einer Sonnenbrille, ein Sprung in der Windschutzscheibe...irgendwas finden sie immer. Dann kann man entweder eine Strafe von 100$ mit Quittung bezahlen oder man handelt die Jungs runter auf 10-20$ und bekommt keine Quittung. Deswegen habe ich für die Fahrt durch dieses korrupte Land zwei Geldbeutel dabei. Einer ist immer fast leer, den zeige ich den Polizisten wenn es so weit kommt.

Gleich der erste Road-Block als ich Victoria Falls verlasse versucht es bei mir. Testet die Beleuchtung, Hupe, Blinker. Lässt sich die 2 Warndreiecke (kein Witz, hier sind 2 Dreiecke vorgeschrieben) und die Warnwesten zeigen. Alles da. Angeschnallt war ich auch, zu schnell auch nicht - ich bin schon gespannt was er sich ausdenken wird. Er rennt noch 2 Mal ums Auto, dann hat er es. "Das Gewicht meines Autos ist außen nicht auflackiert" bemängelt er. "Wie bitte?"
"Hier in Zimbabwe muss das zulässige Gesamtgewicht auf dem Fahrzeug außen zu lesen sein", erklärt er mir.
An meinem Führerschein hat er gesehen dass ich aus Deutschland komme, deswegen setzt er noch hinzu:
"In Deutschland ist das vielleicht anders, hier ist das Gesetz."

Ich steige aus und zeige auf die 35 Flaggen, die den Wagen seitlich zieren. Angebracht von den Vorbesitzern, die damit den ganzen Kontinent umrundet haben. Ich versuche einen Bluff:
"Alle diese Länder habe ich durchquert", behaupte ich.
"Hundert Polizeikontrollen auf dem Weg, in keinem Land wurde die fehlende Gewichtsangabe bemängelt."
Scheinbar war das die richtige Strategie, die vielen Flaggen scheinen ihn zu beeindrucken. Ich kann ohne Strafe oder Bestechung weiter fahren.

Erst am letzten Kontrollpunkt vor der Grenze in Mutare versucht es wieder einer. In meinen Importpapieren steht als Exit-Punkt "MT"; das steht da, weil ich dem Grenzbeamten bei der Einreise von Botswana gesagt hatte, dass ich in Mutare ausreisen werde. So weit so gut. Der Polizist stellt sich stur und sagt, dass hier sei nicht der Grenzübergang Mutare sondern Forbes und in meinen Papieren hätte "FB" stehen müssen. Ich schiebe alles auf den Beamten an der anderen Grenze. Der hätte ja wissen müssen, dass MT keine zulässige Abkürzung für diesen Übergang ist. Ich bin jedenfalls da wo ich gesagt habe dass ich ausreisen werde. Am Ende einer langen Diskussion komme ich wieder ohne Strafe davon. Es ist ein Geduldsspiel in diesen haarsträubend blödsinnigen Diskussionen immer ruhig und freundlich zu bleiben. Ich bin froh aus diesem Land raus zu kommen. Nach allem was ich so höre wird es in Mosambik leider nicht viel besser sein.

Die Tierwelt in Zimbabwe ist zu 99% dezimiert worden. Abgeschossen und aufgefressen in den Hungerjahren, die sie ihrem Diktator zu verdanken haben. Nur in den entlegensten Parks finden sich noch kleine Inselpopulationen. In diesem Land gibt es für mich nichts zu sehen. Zwei mal muss ich auf langweiligen, überteuerten Campingplätzen Station machen dann bin ich endlich raus hier.

Eingestellt von Tom Travel 09:06 Archiviert in Zimbabwe Kommentare (0)

Mosambik - coast-2-coast

Sonne, Meer, Strand und keine Tiere

sunny 33 °C
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Den miesen Polizeierpressern auf der Simbabwe Seite bin ich entkommen und durchquere das Niemandsland auf dem Weg zur Mosambik Immigration. Was dahinter kommt ist ein wenig ungewiss. Ich habe kein Visum. Mal hieß es man muss eines mitbringen, mal hieß es man bekommt eines an der Grenze. Es beginnt das übliche Chaos. Ein junger Mann der englisch spricht bietet an zu helfen. Normal lehne ich so etwas ab und spare mir das Geld. In diesem Fall lasse ich ihn mal machen. Zusammen füllen wir einen Packen Formulare aus. Einreiseformular für mich und mein Auto, Versicherungspolice und Importpapiere. Dann geht es ans Bezahlen. Mal wollen sie US$, mal müssen es Meticais sein. Alles in Cash. Wechselgeld haben sie auch nie. Es werden Fotos von mir gemacht und ich bekomme mein Visum. Alles zusammen dauert der Übergang 2 Stunden. Kostet alles zusammen 110US$ - kaum mehr als der Zugang nach Simbabwe. Erfreulich.

Das Tagesziel war es nach Mosambik zu schaffen. Das habe ich am frühen Nachmittag erreicht. 50km hinter der Grenze gibt es einen kleinen privaten Tierpark an einem Stausee mit Campingmöglichkeit. Tiere in freier Wildbahn sind hier wie in Simbabwe kaum zu finden. Ebenfalls alles abgeschossen und aufgefressen während des Bürgerkriegs. Ich gönne mir ein Zimmer mit richtigem Bett. In den 2 Nächten vermisse ich mein luftiges Dachzelt und die Geräusche der Tiere. Daran hatte ich mich in den letzten 4 Monaten sehr gewöhnt. Eingesperrt in 4 Wänden fühle ich mich nicht mehr wohl.

Die Weiterfahrt wird wieder spannend. Die Straße nach Süden wurde in der Vergangenheit gelegentlich von RENAMO Rebellen beschossen. Deswegen geht der Verkehr für ein Teilstück nur im Militärkonvoi. Das ist allerdings alles andere als gut organisiert. Ich komme an eine Stelle an der viele Autos, Busse und LKW's parken. Ich fahre an der Schlange vorbei ganz nach vorne und erwarte einen Schlagbaum oder Straßensperre, wo man mir sagt wie das mit dem Konvoi funktioniert. Keiner hält mich auf und ich fahre alleine in den Korridor. Nach 10km wird es mir allerdings etwas mulmig. Kein Verkehr in meine Richtung, kein Gegenverkehr. Ich halte an und warte...eine halbe Stunde. Kein Auto kommt vorbei. Ich drehe um und fahre zurück zu den anderen und warte dort. Nach etwa einer Stunde kommt Bewegung in den Haufen. Soldaten mit MG und Granatwerfern bewaffnet besteigen einige LKWs, andere winken die Schlange vorwärts. Ein Panzerfahrzeug voraus fahrend setzt sich der Tross in Bewegung. Nach kurzer Zeit zieht sich die Kolonne in die Länge. Jeder fährt und überholt wie er will. Am Straßenrand ein paar ausgebrannte Busse und LKWs. Aktuell scheint es ruhig zu sein, in letzter Zeit wurde hier nicht mehr geschossen.

An der Brücke über den Rio Save löst sich der Konvoi auf. Südlich dieses Punktes sind die Rebellen nicht aktiv. Jeder darf ab hier alleine fahren. Bisher waren die Straßen geteert und erstaunlich gut. Südlich des Save wird es die schlimmste Schlaglochpiste seit Albanien. Ich wollte heute bis Vilanculos fahren, aber bereits 80km vorher in Inhassoro habe ich genug und biege ab zur Küste. Schon 5km entfernt riecht es nach Meer. Wunderbar! Von Hentjes Bay, Namibia bis Inhassoro, Mosambik habe ich den Kontinent überquert. Endlich komme ich an ein tropisches Meer. In Südafrika und Namibia am Atlantik war an Baden nicht zu denken. Viel zu kalt! Jetzt kommt der Indische Ozean mit Strand, Baden, Tauchen - eine schöne Abwechslung zu Schotter, Staub und Schlamm.

Am nächsten Morgen fahre ich die restlichen 80km bis Vilanculos im Regen. Dennoch bleibt es sehr heiß. Die letzte Nacht war die erste unangenehm warme Nacht hier in Afrika. In Vilanculos treffe ich dann endlich andere Reisende. 4 Tage bleibe ich an einer direkt am Wasser gelegen Bungalow-Hotelanlage mit Campingplatz. Zimmer sind hier in Mosambik unverhältnismäßig teuer, Camping bleibt eine preiswerte Alternative. Einkaufen im Ort ist ziemlich anstrengend. Sobald ein weißes Gesicht auftaucht ist es umringt von Shopping-Assistenten. Egal was man sucht, sie bestehen darauf einem zum jeweiligen Shop zu begleiten. Dort zahlt man dann einen überhöhten Preis und sie bekommen ihre Provision. Sehr lästig aber kaum zu vermeiden.

Der Strand ist bei Flut sehr schmal, bei Ebbe ist das Wasser viel zu weit draußen. Kein guter Strand zum Baden. Schatten gibt es auch nicht. Es werden hier Schnorchel- und Tauchtouren zu den vorgelagerten Inseln angeboten. Der Preise fürs Tauchen hier ist rekordverdächtig hoch. Mir bleibt es ein Rätsel wie sich das begründet. Ich kann es nur mit der fehlenden Konkurrenz erklären, denn weder die Ausrüstung noch die Dive-Sites waren speziell. Sicht miserabel, ein paar Rochen, Zackenbarsche, Schildkröten. Nichts was man nicht anderswo bei besserer Sicht billiger sehen könnte. Das beste an dieser Tauchtour war die Mittagspause auf einer einsamen Insel.

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Weiter geht es Richtung Süden. Tofo heißt der nächste Ort an der Küste an dem ich Halt mache. Endlich wieder mal ein Volltreffer! Einer der schönsten tropischen Strände seit Langem.

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Sauberer, breiter Strand, klares warmes Wasser und eine nette Beachbar mit Hotel und Camping.

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Sehr schade, dass ich mittlerweile etwas in Zeitnot bin. Hier könnte ich glatt einen Monat bleiben.

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Eingestellt von Tom Travel 07:33 Archiviert in Mosambik Kommentare (0)

Mosambik Beachlife - Teil 2

Kurzbesuch bei Freunden

sunny 29 °C
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Der nächste Halt entlang der Küste ist bei Chidenguele. Nur wenige Touristen verirren sich hier her. Ich hätte diesen Ort sicher auch nicht auf dem Zettel würde nicht Jan, ein Freund den ich auf meiner Antarktistour vor einem Jahr kennen gelernt habe, hier mit seiner Frau leben.

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Die beiden haben sich hier ein kleines Paradies gebaut. Wer sie hier besuchen will muss einen 4-Rad-Antrieb mitbringen. So schlecht der Anfahrtsweg ist, so schön ist die Lage. Direkt an einem See gelegen und nur 10 Minuten zu einem der schönsten Strände die man sich vorstellen kann.

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Bootsausflug auf dem See oder Sundowner am Strand?

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Das sind die schwersten Entscheidungen der nächsten Tage.

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Einmal stehen wir früh auf und gehen bei Ebbe zum Schnorcheln mit Harpune. Die Sicht ist unter Wasser zu schlecht und es kommt nichts Großes vorbei, das es verdient hätte als Abendessen zu enden. Also gibt es heute Hühnchen.

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Die Weiterfahrt nach Süden ist wegen Überschwemmung blockiert und so muss ich einen Umweg nach Nordwesten machen um in den Krüger Nationalpark zu kommen.

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Auf mosambikanischer Seite hat man ebenfalls einen Nationalpark eingerichtet. Den Limpopo National Park. Tiere gibt es hier kaum. Alles abgeschossen und aufgefressen. Nun da der Zaun zwischen Krüger und Limpopo teilweise entfernt wurde, werden auch Tiere die unvorsichtigerweise aus Südafrika einwandern gemetzelt. Eigentlich war es eine gute Idee die Nationalparks in Mosambik und Simbabwe mit dem Krüger-Park zu verbinden. Man hat wohl den Hunger der dortigen Bevölkerung unterschätzt. Eine einzige Giraffe sehe ich auf 70km Fahrt durch den Limpopo-Park.

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Das Fehlen von Tieren hindert die Verwaltung nicht daran gesalzene Eintrittspreise zu verlangen. Zwischen den beiden Parks gibt es einen offiziellen Grenzübergang von Mosambik nach Südafrika.

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Einige, denen die notwendigen Papiere fehlen, versuchen nachts über die grüne Grenze nach Südafrika zu gelangen. Die bekommen es gelegentlich mit der Lion-Immigration zu tun. Manchmal finden Ranger nur noch ein paar Kleidungsstücke in Grenznähe als Überreste.

Eingestellt von Tom Travel 08:11 Archiviert in Mosambik Kommentare (0)